Je später der Rückblick, desto schöner die Erinnerungen (Podstock 2026)

Die wahren Podstocks sind die Podstocks, die wir verloren haben.

Nicht verloren wie einen Autoschlüssel oder einen Chickenburger, den man eigentlich gar nicht mehr schafft und dann doch aufisst, sondern verloren in dieser besonderen Weise, in der etwas wundervoll Schönes, kurz nachdem es in einem Zimmer unseres Lebens geschehen ist, schon in ein anderes Zimmer hinübergeht. Einen Moment lang steht die Türe noch einen Spalt offen, dann schließt sie sich. Dort sitzt es dann neben dem Geschmack von Butterkuchen und Mate, dem metallischen Geruch einer Wunderkerze, dem warmen Klang einer Gitarre und dem Atem einer Küche um zwei Uhr nachts, und wartet, bis ein Geruch, ein Lied oder ein Schluck Mate es wieder aufweckt.

Ich glaubte, Podstock sei ein Wochenende gewesen. Zwei Nächte, ein Programm, Teddys Bett oben und meins unten, ein Frühstück, zu dem man zu spät oder zu früh oder gar nicht kam, eine Bühne, Lieder, ein Heimweg im beheizten Autositz. Mais non. Erst später, zurück im gewohnten Zimmer des Lebens, wenn der Kalender wieder seine bunten Blöcke zeigt, die den Tag ordnen und zumauern, bis man dahinter nichts mehr erkennen kann und niemand mehr im Treppenhaus „Heute kann es regnen“ singt, verstehe ich, dass Podstock nicht dort war, wo ich es damals vermutete. Nicht in Damme, nicht im Zelthaus, nicht im Atrium. Es war in diesem einen Moment zwischen Küche, Treppenhaus und Bühne, in dem alle wussten, dass gleich aus Quatsch etwas sehr Schönes werden konnte.

Und so wird die Erinnerung nicht grau, nicht traurig oder nostalgisch, solange man sie nicht presst, trocknet und einheftet. Man muss sie atmen lassen. Man darf von ihr zehren wie von einem kleinen Vorrat Licht: nicht, um die Gegenwart zu verdunkeln, sondern um sie besser auszuleuchten. Denn was vergangen ist, ist nicht fort. Es hat nur die Form gewechselt. Aus Blicken wurden kleine Scheinwerfer, aus Gesprächen Küchenwärme, aus Umarmungen Zuhause, aus Applaus Dankbarkeit, aus Udos Podcastpreis auf Papier eine kindliche Freude und aus einem Wochenende Flügel.

Vielleicht ist das die eigentliche Kunst: nicht zurückzuwollen, sondern zu wissen, dass etwas so schön war, dass es in einem weiterarbeitet. Ohne Eintrittsbändchen. Aber mit einer liebevollen Gewissheit: Es war wirklich da. Und gerade weil es vorbei ist, gehört es uns auf eine Weise, die uns die Zeit niemals nehmen kann.

Und vielleicht ist das Schönste an einer Erinnerung, die nicht versucht, festzuhalten, sondern trägt: dass sie uns nicht zurückzieht, sondern nach vorn. Zum nächsten Podstock.

Links zur Episode:

Into the Great Wide Clouds

Der Winter naht. Wir brauchen Platz in unseren Vorratskammern, auch in den digitalen. Die sind leider voll mit altem Zeugs, das wir irgendwann dort verstaut haben. Wir müssen ausmisten. Dabei treten so einige Erinnerungen zutage, die wir fast vergessen hätten. Jahrzehntealte Partyrezepte, historische Dokumente und nie umgesetzte Pläne. Wir kramen rum und wir kramen raus und schauen uns das alte Zeugs noch einmal mit einer Mischung aus Nostalgie und Scham an, bevor wir es endgültig vergessen.

Sergej Bubka und Ivan Drago

Sergej: „Weißt Du noch, Sergej, früher, auf der Sporthochschule?“
Ivan: „Mmmh.“
Sergej: „Immer wenn wir keine Lust hatten, zu lernen, hast Du Esel und Teddy angemacht.“
Ivan: „Mmmh.“
Sergej: „Die waren grauenhaft“.
Ivan: „Mmmh.“
Sergej: „Blini?“

Absolute Giganten: Die erste Sache, an die ich mich erinnern kann
Absolute Giganten: Kicker-Szene

Gegendarstellung: Teddy hat zur Hand Gottes vollkommenen Blödsinn erzählt, es war ganz anders!