WM-Spezial 2026: Deutschland gegen Paraguay

Valentina wusste nicht, warum sie beim letzten Mal gedacht hatte: Alte Möbel, die keiner mehr braucht, gehen auch gerne mal kaputt. Und dann hatte sie genau so einen Schrank gekauft. Paraguay-Nussbaum, sagte der Händler auf dem Flohmarkt. Seltenes Holz. Sie kannte nur eine einzige Nussbaumsorte richtig gut, aber sie dachte: Ich rocke das.

Jetzt stand das Ding in der Werkstatt, und es war hart anzugucken. Drei Schubladen klemmten, die Rückwand hatte einen Riss, und das linke Bein knickte ein, sobald man dagegenstieß. Ein sehr schweres Stück Arbeit. Valentina leimte, schliff, setzte an, scheiterte. Der Wille war nur halb da, weil sie im Kopf nicht ganz frisch war nach dem Fail mit dem Küchentisch letzte Woche, der sie drei Abende und Rückenschmerzen gekostet hatte. Aber sie blieb beharrlich. Wer beharrlich bleibt, kommt zum Ziel – das hatte ihre Großmutter gesagt, eine Frau, die alles bis zur letzten Konsequenz durchzog. Und irgendwann, spätabends, fast in der Nachspielzeit des Tages, hielt die dritte Schublade. Dann die zweite. Dann, als Kirsche auf der Sahne, saß auch das Bein wieder fest.

Valentina trat einen Schritt zurück und betrachtete den Schrank. Nicht schön, wenn man genau hinsah. Aber stabil. Individuelle Klasse ist, dachte sie, wenn man weiß, wann Aufhören besser aussieht als Weitermachen. Am nächsten Morgen klemmte die erste Schublade wieder.

Unser gemeinsames Orakelergebnis: 2:1 für Deutschland

WM-Spezial 2026: Ecuador gegen Deutschland

Im Reiseführer hatte gestanden, man müsse sich die Höhe von Quito wie einen unsichtbaren Gegner vorstellen. Elena hatte das für Unsinn gehalten. Jetzt, auf zweitausendachthundert Metern, revidierte sie ihre eigene Idee.

Sie war gut in den Urlaub gestartet. Zwei Tage Küste, leichtfüßig, ohne Probleme. Dann Ecuador von unten nach oben, Bus um Bus, und plötzlich war die Luft dünn und der Kopf leer. Trotzdem stand sie um 6 auf der Dachterrasse des Hostels. Keine Minute Pause, das hatte sie sich vorgenommen. Die Reise war kurz, drei Wochen, jeder Tag zählte. Sie wollte nichts schonen, schon gar nicht sich selbst. Unten auf der Straße lief ein Mann mit einem Transistorradio am Ohr vorbei. Er blieb an der Ecke stehen, lauschte, fluchte leise, ging weiter. Irgendetwas lief nicht nach Plan für ihn heute.

Elena trank ihren Kaffee und dachte an zu Hause. Ihre Schwester hatte gesagt: Du wirst nach zwei Wochen müde sein und nichts mehr sehen wollen. Aber das Gegenteil passierte. Je länger sie unterwegs war, desto genauer schaute sie hin. Keine Unkonzentriertheit, keine Ungenauigkeit im Blick. Als würde die Reise selbst sie schärfen.

Um 7 war sie unten auf der Straße. Der Mann mit dem Radio kam zurück, diesmal von der anderen Seite. Er sah sie an und hob kurz die Hand, wie jemand, der weiß, dass der Morgen für alle schwierig anfängt, aber trotzdem nicht aufhört.

Unser gemeinsames Orakelergebnis: 5:1 für Deutschland

WM-Spezial 2026: Deutschland gegen Elfenbeinküste

Mariam roch das Chlor schon im Treppenhaus, dieser scharfe, vertraute Geruch nach Disziplin. Sophie war wie immer schon da, Bahn drei. Sie nickten sich zu. Worte brauchte es zwischen ihnen nicht mehr, seit ungefähr zehn Jahren.

Beide hatten ihre Wettkämpfe für diesen Monat schon hinter sich. Mariam hatte sich qualifiziert, Sophie ihre Bestzeit pulverisiert. Eigentlich, dachte Mariam, während sie ins Becken glitt, müsste hier heute gar nichts mehr passieren. Ein paar lockere Bahnen, fertig. Aber so läuft das nie. Nach der zweiten Bahn merkte sie, dass Sophie anzog. Stabil, gleichmäßig, kein Sprint, nur diese leise Verschiebung im Tempo. Mariam konterte instinktiv. Drei Bahnen lang ein harter, lautloser Kampf, den keine von beiden eigentlich gewinnen wollte. Es war alles in den Köpfen jetzt.

Mariam dachte an die Reise nach Côte d’Ivoire nächsten Monat, ihre Schwester wartete dort mit drei Sorten Kakao und einem Plan für die Strandtage. Eine Woche kein Chlor, das wäre schön.

An der Wand kamen sie gleichzeitig an, die Hände tippten im selben Moment die Kacheln. Sophie lachte kurz unter Wasser auf, eine Blasenkette stieg hoch. Unentschieden, sagte ihr Blick. In Ordnung, sagte der von Mariam. Sie schwammen noch zwei Bahnen, jetzt richtig locker, und einigten sich wortlos darauf, dass das heute völlig genug war. Eine merkwürdige Konstellation, dachte Mariam. Zwei Frauen, die sich nichts mehr beweisen müssen und es trotzdem tun. Vielleicht ist genau das die Übung.

Unser gemeinsames Orakelergebnis: 2:1 für Deutschland

WM-Spezial 2026: Deutschland gegen Curaçao

Ana sagte, beim ersten Tango spüre man die Bühne unter den Füßen wie heißen Sand. José verstand das nicht, bis er an diesem Sonntagabend am Hafen seinen ersten Schritt tat.

Er war nervös. Anfängliche Schwierigkeiten, sagte er sich, das ist normal. Seine Schuhe schienen ihm fremd. Der Rhythmus, den er die ganze Woche gehört hatte, war plötzlich weg, als hätte ihn jemand aus dem Raum getragen. Er trat seiner Partnerin auf die Spitze, entschuldigte sich, trat sie noch einmal. Erst nach dem zweiten Lied fand er hinein. Wie wenn man einen Cocktail mixt und plötzlich merkt: jetzt stimmt die Mixtur. Ein bisschen weniger Druck im Fuß, ein bisschen mehr Vertrauen in das Schwingen der Hüfte. Und plötzlich war es leicht. Leichtfüßig. Als sei die Schwerkraft eine Verabredung, die man auch absagen konnte.

Draußen, hinter den großen Fenstern, schlugen die Wellen an die Hafenmauer; das Wasser war wärmer als sonst um diese Jahreszeit, und ein paar Jugendliche sprangen lachend hinein. Drinnen kam José zur Ruhe. Eine Frau am Tresen schob ihm wortlos ein Glas zu, in dem etwas Blaues schimmerte. Curaçao, sagte sie. Probier mal. Er trank, schmeckte etwas zwischen Veilchen und Salz, lächelte, dachte: ein unbeschwerter Abend. Genau so. Ana sah ihm vom Türrahmen aus zu und nickte. Beim ersten Tango, dachte sie, finden manche den Rhythmus, manche das Meer. José hatte heute beides gefunden.

Auf dem Heimweg, am Kai, blieb er noch einen Moment stehen. Das Wasser war ruhig jetzt, die Wellen rollten nur leise gegen die Steine, und irgendwo weiter draußen sang jemand auf einem Boot.

Unser gemeinsames Orakelergebnis: 3:1 für Deutschland

WM-Spezial 2022: Costa Rica gegen Deutschland

Wer weiß, vielleicht schlagen die Rumbatänzer die Krautrocker?
Oder es wird langweilig und wir machen das vida loca.

Das Fußballherz schlägt Alarm,
wir spielen Nase, Blase, Darm.