Internationaler Ersteindruck

Sehr geehrte Wikipedia-Redaktionen der Welt,

hiermit bewerbe ich mich auf die Position des Erstbildes.

Mir ist bewusst, dass diese Position bei Ihnen nicht ausgeschrieben wird, sondern auf einem komplexen, undokumentierten Konsensverfahren basiert, das jede Sprachversion eigenständig pflegt – manchmal über Jahre, manchmal über Nacht. Genau das macht für mich den Reiz aus.

Ich bringe alles mit, was Sie suchen. Ich bin assoziationsoffen. Ich behaupte nichts Falsches, aber auch nichts Eindeutiges. Ich biete genug visuelle Information, um die nachfolgenden Bilder nicht überflüssig zu machen, und nicht so viel, dass ein Klick auf den Artikeltext entbehrlich würde. Ich kann Begriff sein, ohne Begriff zu erklären. Ich neige nicht zur Repräsentationspflicht. Ich arbeite gerne in Umfeldern, in denen ich in einer Zehntelsekunde bewertet werde und in denen niemand erklären muss, warum ich oben stehe.

Sollte für die Hauptposition kein Bedarf bestehen, biete ich mich auch für die Position als zweites, drittes, viertes oder fünftes Bild einer Seite an. Die hinteren Plätze sind in meinen Augen unterbewertet, und ich schätze die damit verbundenen Aufstiegschancen.

Mit freundlichen Grüßen
Friedrich Aufmacher

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WM-Spezial 2026: Deutschland gegen Curaçao

Ana sagte, beim ersten Tango spüre man die Bühne unter den Füßen wie heißen Sand. José verstand das nicht, bis er an diesem Sonntagabend am Hafen seinen ersten Schritt tat.

Er war nervös. Anfängliche Schwierigkeiten, sagte er sich, das ist normal. Seine Schuhe schienen ihm fremd. Der Rhythmus, den er die ganze Woche gehört hatte, war plötzlich weg, als hätte ihn jemand aus dem Raum getragen. Er trat seiner Partnerin auf die Spitze, entschuldigte sich, trat sie noch einmal. Erst nach dem zweiten Lied fand er hinein. Wie wenn man einen Cocktail mixt und plötzlich merkt: jetzt stimmt die Mixtur. Ein bisschen weniger Druck im Fuß, ein bisschen mehr Vertrauen in das Schwingen der Hüfte. Und plötzlich war es leicht. Leichtfüßig. Als sei die Schwerkraft eine Verabredung, die man auch absagen konnte.

Draußen, hinter den großen Fenstern, schlugen die Wellen an die Hafenmauer; das Wasser war wärmer als sonst um diese Jahreszeit, und ein paar Jugendliche sprangen lachend hinein. Drinnen kam José zur Ruhe. Eine Frau am Tresen schob ihm wortlos ein Glas zu, in dem etwas Blaues schimmerte. Curaçao, sagte sie. Probier mal. Er trank, schmeckte etwas zwischen Veilchen und Salz, lächelte, dachte: ein unbeschwerter Abend. Genau so. Ana sah ihm vom Türrahmen aus zu und nickte. Beim ersten Tango, dachte sie, finden manche den Rhythmus, manche das Meer. José hatte heute beides gefunden.

Auf dem Heimweg, am Kai, blieb er noch einen Moment stehen. Das Wasser war ruhig jetzt, die Wellen rollten nur leise gegen die Steine, und irgendwo weiter draußen sang jemand auf einem Boot.

Unser gemeinsames Orakelergebnis: 3:1 für Deutschland

Ente, Piano, Rom

Es ist vielleicht eine der letzten wirklichen Intimitäten, jemandem sein Portemonnaie zu zeigen. Das Gesicht zeigen wir ja andauernd. Unsere Stimmen sind durchs ganze Internet zu hören. Und auch unsere Wohnungen tauchen ständig irgendwo auf, im Hintergrund von Videocalls, auf Fotos, in kleinen Ausschnitten unseres Alltags. Aber das Portemonnaie ist etwas anderes.

Es ist kein Tagebuch, aber vielleicht oft ehrlicher als eines. Es enthält nicht das Leben selbst, sondern seine Ränder: Quittungen, Karten, alte Zettel, Fotos, Bons. Kleine Nachweise einer Existenz, die man offenbar geführt und dann vergessen hat aufzuräumen.

Man zeigt es einem anderen Menschen und glaubt vielleicht, es sei ein Spiel.

So wie damals, 2013, als wir schon einmal unsere Portemonnaies geleert und die Inhalte gegeneinander antreten lassen haben. „Wallet War“ hieß das, sehr modern damals, klingt sehr nach Zukunft, nach Banken, Smartphones und Mobile Payment. Und natürlich ging es am Ende um etwas ganz anderes. Um das, was man bei sich trägt, ohne immer zu wissen, warum eigentlich.

Wir hatten sogar vergessen, dass wir diese Folge schon einmal aufgenommen haben. Erinnerungen sind halt manchmal auch nur ein Bon, der in irgendeinem Nebenfach steckt und nach Jahren so blass geworden ist, dass man ihn kaum noch lesen kann.

Was möchte ich über mich zeigen? Was möchte ich über den anderen festhalten? Und was ist das überhaupt für ein Spiel? Fair ist es jedenfalls nicht. Denn ein Portemonnaie erzählt nie die ganze Wahrheit. Es zeigt nur Reste, Zufälle, Spuren.

Vielleicht ist das traurig. Vielleicht ist es aber auch tröstlich. Freundschaft besteht womöglich nicht darin, einander wirklich vollständig zu kennen. Vielleicht besteht sie eher darin, immer wieder überrascht zu sein von dem, was beim anderen übrig geblieben ist.

Ein Mensch ist nicht nur das, was er über sich zeigt. Er ist vielleicht eher das, was er vergessen hat auszusortieren.

Und so sitzen zwei Menschen da, betrachten Papier, Plastik, Leder, kleine Beweise vergangener Tage, und lachen. Natürlich lachen sie. Man muss ja lachen, wenn das Leben plötzlich in ein Portemonnaie passt.

Terminsache

Aufgrund zeitlicher Engpässe können die Shownotes zu dieser Folge derzeit nicht bereitgestellt werden. Sie werden zu einem späteren Zeitpunkt nachgereicht. Wir bitten um Verständnis.

Undercover Discoveries

Lieder leben, Lieder sterben, das möchte wohl keiner bestreiten. Falls aber doch, postulieren wir das einfach mal. Wenn das also unsere Annahme ist, können wir wohl auch annehmen, dass jedes Lied irgendwann noch einmal wiedergeboren werden möchte. Je häufiger, desto besser, denn umso mehr lebt es. Manche Lieder haben Glück und landen bei Sinéad O’Connor, Aretha Franklin oder Johnny Cash. Andere landen bei Esel.

Das Cover ist nicht das Lied. Es ist ein anderes, oft merkwürdiges Wesen. Es steht vor dem Original und sagt: „Hallo, ich bin du, aber anders.“ Vielleicht sagt es auch: „Ich bin besser, ich stehe ja auf deinen riesigen Schultern.“ Oder es sagt gar nichts, obwohl es eigentlich nur „Bitte verzeih mir, ich wollte dich nicht beleidigen!“ hätte sagen sollen.

In dieser Folge widmen sich Esel und Teddy der Kunst des schlechten Coverns. Also jener Kunstform, bei der man ein bekanntes Lied nicht zerstört, sondern nur so weit beschädigt, dass jemand anderes noch erraten kann, was es früher einmal war. Esel spielt Akkorde. Teddy erkennt Lieder. Oder erkennt zumindest die Absicht hinter den Akkorden. Das ist vielleicht noch schwieriger.

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Auch ein schlechtes Cover ist eine Wiedergeburt. Nur eben eine, bei der der Arzt kurz das Zimmer verlässt.