Feuer, Zähne, Kaffee, Bier

Teddy Paella kommt natürlich gar nicht aus Spanien, er kommt aus Ulmenhorst, einem kleinen Städtchen in Niedersachen. Aber das ist seinen Fans egal. Sie lieben ihn.

Heute steht er auf, greift zur Zahnbürste und putzt sich die Zähne mit dem Gesichtsausdruck eines Mannes, der später wieder „Alle Handylampen an“ in ein Mikrofon hauen wird. Noch schnell auf Klo, dann zündet er sicherheitshalber noch ein Streichholz an, damit sein Mitbewohner nichts merkt.

Er packt einen Stapel mit Papieren, seine Setlist, lose Zettel, notdürftig mit einer Büroklammer zusammengeheftet. Dann macht er sich ein alkoholfreies Bier mit einem Kronkorken auf, zieht geschniegelt den Reißverschluss seiner Hose hoch und klappt das Revers seines glänzenden Sackos um.

In der Küche holt er einen Kaffeefilter aus dem Schrank, entscheidet sich dann aber doch für Kamillentee im Teebeutel. Wegen des Magens. (Er würde nie „wegen dem Magen“ sagen, Sprache ist sowas wie sein Elixier.) Mit dem Kugelschreiber kritzelt er letzte Änderungen in seine Lyrics: „hier Hüfte“, „hier Augen zu“, „hier lasziv ins Publikum zeigen“. Dann macht er seine Schuhe mit Klettverschluss zu, weil Leidenschaft gut ist, aber Bücken schlecht.

Zum Schluss klebt er noch ein paar Post-its an seine Liedtexte: „Sonnenbrille auf“, „Olé rufen“, „bedeutungsvoll schweigen“. Und dann fährt Teddy Paella los, der Mann, der klingt wie Benidorm und aussieht wie Ulmenhorst in Pink. Heute wir er es wieder mal sein, alles in einer Person: Bühne, Gott, Rebell.

Zwei nackte Flaneure

Es war ein milder Tag, nicht mehr Winter und noch nicht ganz Frühling, einer dieser Tage, die vor Freundlichkeit strotzen, in einer freundlich übertriebenen Art, an denen selbst ein stiller See aus ehemaligem Tagebau eine Bedeutungsschwere bekommt. Über dem Wasser lag Ruhe, über der Landschaft ein besänftigender Ernst.

Zwei Herren, seit Jahren in eigentümlicher Freundschaft verbunden, gingen dort spazieren. Sie waren Flaneure, Menschen, denen nicht das Ziel wichtig ist, sondern das Gehen, Schauen und Sprechen. Dass sie dabei nackt waren, verlieh dem Ganzen nichts Anstößiges, sondern eher etwas Unschuldiges, Absonderliches , als wollten sie erproben, wie wenig es braucht, um sich einer Landschaft verbunden zu fühlen.

Während sie am Ufer entlangschritten, sprachen sie über Seen und Inseln, über Urlaubstypen, Wind und darüber, wie nah einem ein Ort kommen kann, den man vorher kaum kannte. Aus Scherz wurde Nachdenklichkeit, aus einem kleinen Ratespiel beinahe eine Erkenntnis.

Schließlich blieben sie stehen und blickten aufs Wasser. Der See war nicht großartig, aber von jener stillen Art Schönheit, die keinen Eindruck machen will und gerade deshalb eindrucksvoll ist.

Und vielleicht, so dachten sie, ist Freundschaft am Ende nichts anderes, als gemeinsam um einen See zu gehen, nackt womöglich, und für einen Augenblick zu glauben, das sei eine große Reise.

Karte

Fenster zur Welt

Es schienen so golden die Sterne,
Am Fenster ich einsam stand
Und sah aus weiter Ferne
Die Bilder im stillen Land.

Das Herz mir im Leibe entbrennte,
Da hab’ ich mir heimlich gedacht:
Ach, wer doch mitreisen könnte
In der prächtigen Frühlingsnacht!

Zwei gute Gesellen gingen
Vorüber am Bildschirmrand,
Ich hörte im Klicken sie singen
Die stille Gegend entlang:

Von schwindelnden Straßenschluchten,
Wo Lampen leuchten bei Nacht,
Von Webcams, die aus den Fernen
Uns zeigen die Welt in Pracht.

Sie sangen von Inselgestaden,
Von Bergen im Dämmerschein,
Von Städten, die über dem Wasser
Im flimmernden Dunkel sein,

Wo Menschen am Fenster lauschen,
Wann neuer ein Livestream erwacht,
Und Straßen und Plätze rauschen
In der prächtigen Frühlingsnacht.

So schlecht waren wir noch nie

Teddy fand den Kassettenrekorder auf dem Dachboden und drückte natürlich sofort auf die Rückspultaste. Klack.

Schon standen Esel und Teddy 1989 in der Prager Botschaft, mitten in einer aufgeregten Menge. Teddy hielt einen Zettel in der Hand; woher der gekommen war, wusste er nicht. Der Auftrag war eindeutig: Menge beruhigen, damit Genschers ganze Rede hörbar bleibt. Ausreise nicht genehmigt!

Dann trat ein Mann auf den Balkon. „Ist das Genscher?“, fragte Teddy.

Esel musterte ihn. „Nee. Genscher ist dicker.“

„Oder mit Bart.“

„Wo sind wir hier überhaupt? Und wann? Wer sind die Menschen hier alle?“

Der Mann begann zu sprechen. Unten wurde es still.

„Wir sind heute zu Ihnen gekommen …“

„Oh“, sagte Teddy. „Das kommt mir bekannt vor, das ist doch Kennedy.“

„Nein, ich glaube, das ist ein Konzert, das ist David Hasselhoff.“

„… um Ihnen mitzuteilen …“, setzte der Mann am Balkon fort.

Hinten verstand man nichts, vorne wurde schon gezappelt. Um die Menge zu beruhigen, rief Teddy im gleichen Moment, als der Mann das Wort „Ausreise“ sagte: „Seid mal ruhig, das ist David Hasselhoff!“

Und sofort brach Jubel los. Dass die Ausreise eben nicht genehmigt war, hat nie jemand erfahren.

How to pronounce Ortsname in the Landessprache

Wenn ich sterbe komm ich in die Hölle,
drum genieß ich es noch hier in Kölle.

Wohnt ich im Norden, dann wär ich ein Schäfer,
Und trünke dazu oft ein Jefer.

Doch eigentlich wär das nicht so mein Ding,
dann lebte ich lieber in Reading.

Vielleicht wär ich da dann ein Schuster,
äß mein Hähnchen immer mit Worcester.

Ist am Ende der Theo dann futsch,
fahr ich halt alleine nach Łódź.

Oder ich riskiere ’nen Hörschaden,
dann müsste ich nur nach Saoirse gehn.