Esel und Teddy – Das Musical (Podstock 2026)

Esel und Teddy sind unzufrieden. Die Downloadzahlen ihres Podcasts stürzen ab – doch woran liegt das? Sind sie zu alt geworden, oder gehen ihnen einfach die Ideen aus? Die beiden beschließen kurzerhand, sich neu zu erfinden und ganz frisch durchzustarten. Zwischen großen Ambitionen, verletzten Eitelkeiten und wachsenden Missverständnissen verlieren sie jedoch aus den Augen, wofür sie einmal angetreten sind. Erst ein gekonnter Blick von außen hilft ihnen zu erkennen, was es im Leben wirklich braucht.

Diese Episode wurde am 11. April 2026 auf dem Podstock-Festival live vor Publikum im Atrium des JFZ am Dümmer See aufgezeichnet.

  • Vielen Dank, Leni – einfach für alles!
  • Vielen Dank, Jan – für die Anmoderation und vor allem dafür, dass du den Sound für uns gerettet hast.
  • Vielen Dank, Podstock – Orga, Technik, Zuhörer*innen; wir hätten uns keinen anderen (oder gar besseren) Ort vorstellen können, um live vor Publikum zu singen.
  • Vielen Dank, Udo – für den Podcastpreis auf Papier.

Die Musik der sechs Songs hat Suno für uns komponiert. In der kommenden Episode werden wir zu dritt über den Weg berichten, den wir bis zum Auftritt genommen haben.

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Der große Babo auf dem Pfeifenstrich

Liebe Liebe,
deine Schrift ist mir unbekannt.
Dieser Abstand, dieser Abstand,
er schmerzet
und ist mir doch zugleich Arznei wider die Angst.
Dieser Augenblick bei dir,
tief in meine Seele eingeprägt.
Ich wäre gerne ein Ganglehrer,
doch, bei Gott, ich bin es nicht.
Der Briefwechsel begann.
Du erzähltest von dem Entwurf deines Lebens.
Nunmehr blick ich durch den Tageleuchter,
blicke auf den Gesichtsendiger
und weiß,
dass es dahinter weitergehe,
doch sehen kann ich nicht,
wie und wo.
Oder liegt allda das Nirgendland?
Diese Leidenschaft,
war sie Leidenschaft
oder Sehnsucht?
Du warst wie ein Liebesstein.
Das Lustgetöne,
so viele Überschneidungen im Lustgetöne, das wir mögen
dies mag nicht Zufall allein sein.
Oder bergen wir uns hinter Mummgesichtern?
Deine Mundart,
nuff und nunna könnt ich’s hören.
Verliebtsein ist Scheidekunst im Körper,
durch und durch.
Es könnte der Grundstein sein
für ein Schloß,
eine Burg,
für eine Kutsche, darinnen Bett und Küche.
Verfasser dieser Zeilen bin ich nun.
Die Zeitblicke vergehen,
ich schaue ihnen nach,
zähle sie.
Was aber ist deine Zeugemutter?
(Phillip von Zesen an Maria Becker, 1672)

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Feuer, Zähne, Kaffee, Bier

Teddy Paella kommt natürlich gar nicht aus Spanien, er kommt aus Ulmenhorst, einem kleinen Städtchen in Niedersachen. Aber das ist seinen Fans egal. Sie lieben ihn.

Heute steht er auf, greift zur Zahnbürste und putzt sich die Zähne mit dem Gesichtsausdruck eines Mannes, der später wieder „Handylampen an“ in ein Mikrofon hauen wird. Noch schnell auf Klo, dann zündet er sicherheitshalber noch ein Streichholz an, damit sein Mitbewohner nichts merkt.

Er packt einen Stapel mit Papieren, seine Setlist, lose Zettel, notdürftig mit einer Büroklammer zusammengeheftet. Dann macht er sich ein alkoholfreies Bier mit einem Kronkorken auf, zieht geschniegelt den Reißverschluss seiner Hose hoch und klappt das Revers seines glänzenden Sackos um.

In der Küche holt er einen Kaffeefilter aus dem Schrank, entscheidet sich dann aber doch für Kamillentee im Teebeutel. Wegen des Magens. (Er würde nie „wegen dem Magen“ sagen, Sprache ist sowas wie sein Elixier.) Mit dem Kugelschreiber kritzelt er letzte Änderungen in seine Lyrics: „hier Hüfte“, „hier Augen zu“, „hier lasziv ins Publikum zeigen“. Dann macht er seine Schuhe mit Klettverschluss zu, weil Leidenschaft gut ist, aber Bücken schlecht.

Zum Schluss klebt er noch ein paar Post-its an seine Liedtexte: „Sonnenbrille auf“, „Olé rufen“, „bedeutungsvoll schweigen“. Und dann fährt Teddy Paella los, der Mann, der klingt wie Benidorm und aussieht wie Ulmenhorst in Pink. Heute wird er es wieder mal sein, alles in einer Person: Bühne, Gott, Rebell.

Zwei nackte Flaneure

Es war ein milder Tag, nicht mehr Winter und noch nicht ganz Frühling, einer dieser Tage, die vor Freundlichkeit strotzen, in einer freundlich übertriebenen Art, an denen selbst ein stiller See aus ehemaligem Tagebau eine Bedeutungsschwere bekommt. Über dem Wasser lag Ruhe, über der Landschaft ein besänftigender Ernst.

Zwei Herren, seit Jahren in eigentümlicher Freundschaft verbunden, gingen dort spazieren. Sie waren Flaneure, Menschen, denen nicht das Ziel wichtig ist, sondern das Gehen, Schauen und Sprechen. Dass sie dabei nackt waren, verlieh dem Ganzen nichts Anstößiges, sondern eher etwas Unschuldiges, Absonderliches , als wollten sie erproben, wie wenig es braucht, um sich einer Landschaft verbunden zu fühlen.

Während sie am Ufer entlangschritten, sprachen sie über Seen und Inseln, über Urlaubstypen, Wind und darüber, wie nah einem ein Ort kommen kann, den man vorher kaum kannte. Aus Scherz wurde Nachdenklichkeit, aus einem kleinen Ratespiel beinahe eine Erkenntnis.

Schließlich blieben sie stehen und blickten aufs Wasser. Der See war nicht großartig, aber von jener stillen Art Schönheit, die keinen Eindruck machen will und gerade deshalb eindrucksvoll ist.

Und vielleicht, so dachten sie, ist Freundschaft am Ende nichts anderes, als gemeinsam um einen See zu gehen, nackt womöglich, und für einen Augenblick zu glauben, das sei eine große Reise.

Karte

Fenster zur Welt

Es schienen so golden die Sterne,
Am Fenster ich einsam stand
Und sah aus weiter Ferne
Die Bilder im stillen Land.

Das Herz mir im Leibe entbrennte,
Da hab’ ich mir heimlich gedacht:
Ach, wer doch mitreisen könnte
In der prächtigen Frühlingsnacht!

Zwei gute Gesellen gingen
Vorüber am Bildschirmrand,
Ich hörte im Klicken sie singen
Die stille Gegend entlang:

Von schwindelnden Straßenschluchten,
Wo Lampen leuchten bei Nacht,
Von Webcams, die aus den Fernen
Uns zeigen die Welt in Pracht.

Sie sangen von Inselgestaden,
Von Bergen im Dämmerschein,
Von Städten, die über dem Wasser
Im flimmernden Dunkel sein,

Wo Menschen am Fenster lauschen,
Wann neuer ein Livestream erwacht,
Und Straßen und Plätze rauschen
In der prächtigen Frühlingsnacht.