WM-Spezial 2026: Deutschland gegen Elfenbeinküste
Mariam roch das Chlor schon im Treppenhaus, dieser scharfe, vertraute Geruch nach Disziplin. Sophie war wie immer schon da, Bahn drei. Sie nickten sich zu. Worte brauchte es zwischen ihnen nicht mehr, seit ungefähr zehn Jahren.
Beide hatten ihre Wettkämpfe für diesen Monat schon hinter sich. Mariam hatte sich qualifiziert, Sophie ihre Bestzeit pulverisiert. Eigentlich, dachte Mariam, während sie ins Becken glitt, müsste hier heute gar nichts mehr passieren. Ein paar lockere Bahnen, fertig. Aber so läuft das nie. Nach der zweiten Bahn merkte sie, dass Sophie anzog. Stabil, gleichmäßig, kein Sprint, nur diese leise Verschiebung im Tempo. Mariam konterte instinktiv. Drei Bahnen lang ein harter, lautloser Kampf, den keine von beiden eigentlich gewinnen wollte. Es war alles in den Köpfen jetzt.
Mariam dachte an die Reise nach Côte d’Ivoire nächsten Monat, ihre Schwester wartete dort mit drei Sorten Kakao und einem Plan für die Strandtage. Eine Woche kein Chlor, das wäre schön.
An der Wand kamen sie gleichzeitig an, die Hände tippten im selben Moment die Kacheln. Sophie lachte kurz unter Wasser auf, eine Blasenkette stieg hoch. Unentschieden, sagte ihr Blick. In Ordnung, sagte der von Mariam. Sie schwammen noch zwei Bahnen, jetzt richtig locker, und einigten sich wortlos darauf, dass das heute völlig genug war. Eine merkwürdige Konstellation, dachte Mariam. Zwei Frauen, die sich nichts mehr beweisen müssen und es trotzdem tun. Vielleicht ist genau das die Übung.
Unser gemeinsames Orakelergebnis: 2:1 für Deutschland